Am gestrigen Sonntag durfte ich eine erstklassige Bahnfahrt von Berlin nach Düsseldorf genießen. Der reinste Horror…
Bei 30 Grad Außentemperatur hat die Klimaanlage im Waggon bereits in Berlin ihren Geist aufgegeben. Die Zugbegleitung hat daraufhin während der gesamten Fahrt kostenlose Getränke verteilt. Der Zugchef hat sich sogar entschieden, den Fahrgästen mit Reservierung im betroffenen Waggon die Gebühr zu erstatten. Zugegeben, beides nette Gesten, zumal sie nicht von der Deutschen Bahn ausgingen. Dazu, wie sich der Laden an sich verhält, kommen wir noch…
Die fahrende Sauna hat mich ohne Verspätung immerhin bis Dortmund gebracht. Dort dann der nächste Schreck: In Bochumer Hauptbahnhof ist ein Blitz in eine Lok eingeschlagen. Die Feuerwehr hat daraufhin den Bahnhof vollständig gesperrt. Während der Wartezeit in Dortmund hat sich dann wieder einmal die Freundlichkeit der dortigen manch eines Ureinwohners gezeigt: Da werden Zugbegleiter aufs Übelste beleidigt, nur weil diese mangels Informationen nicht auf gestellte Fragen antworten können.
Nach einer Dreiviertelstunde wurde die Strecke nach Bochum dann endlich freigegeben und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Bis genau fünf Kilometer vor Bochum… Diesmal war es die Bundespolizei, welche die Strecke gesperrt hat. Der Grund waren Schaulustige, die sich zwecks besserer Beobachtung der brennenden Lok auf die Gleise begeben hatten. Das Freiräumen sollte mindestens 30 Minuten in Anspruch nehmen. Ich bin ja dafür, daß die Bahn solche Vollpfosten in Zukunft einfach überrollt. Danach sollte dann die Polizei die Überlebenden einsammeln und zu lebenslangem Graffiti-Entfernen verdonnern.
Während der Zug nun also dumm auf der Strecke ‘rumstand, hat die Bahn dann ihr wahres Gesicht gezeigt. So mußte der Zugchef den Passagieren leider mitteilen, daß die Transportleitung in Frankfurt am Main* die Gutscheinregelung aufgrund “höherer Gewalt” ausgesetzt hat.
Unnötig zu erwähnen, daß der Zug nicht nur 30 Minuten gestanden hat, nein, es wurden 60. Denn mittlerweile zog das “Unwetter”, welches auch den Blitzeinschlag verursachte, weiter und hat die verbleibende Strecke mit umgestürzten Bäumen verziert.
Bochum und alle weiteren Bahnhöfe haben wir dann mit 110 Minuten Verspätung erreicht.

Es ist immer wieder faszinierend, wie gut die alten Bundesländer mit solch netten Unwettern klarkommen: Nämlich garnicht. Es sei an einen kräftigen Schneeschnauer vor einigen Jahren erinnert, bei dem ein Hochspannungsmast nach dem anderen umgeknickt ist. Und nun ein Gewitter… Es hat ungelogen nur viermal geblitzt und – schwupps – liegt der gesamte Verkehr in NRW darnieder. Drei Gleispaare durch das gesamte Ruhrgebiet, hunderte Autobahnkilometer, ein Blitz und nichts geht mehr…

* Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, daß Frankfurter per se ein’s an der Waffel haben…