Am vergangenen Sonnabend hatte ich Gelegenheit, die im Berliner Pergamonmuseum stattfindende Sonderausstellung über Babylon zu besuchen. Thematisch war diese – wie der Titel bereits verdeutlicht – in zwei Bereiche geteilt: Mythos und Wahrheit.
Im Bereich “Wahrheit” ging es um tatsächliche archäologische Erkenntnisse über Babylon. Dargestellt wurden u.a. die Entstehung und Entwicklung Babylons, Kunst, Kultur und Leben in der Stadt sowie wirtschaftliche und wissenschaftliche Errungenschaften. So gehen bspw. die meisten Bezeichnungen der Sternbilder auf babylonische Ursprünge zurück, auf die sich die Araber später bei der Benennung bezogen. In Babylon wurde zudem mit einem Zahlensystem zur Basis 60 gerechnet: So begegnen uns noch heute die Einteilung der Stunde in 60 Minuten und die des Kreises in 360 “Abschnitte”. Auch die geometrische Regel, welche später als Satz des Pythagoras bekannt werden sollte, wurde bereits in Babylon angewandt.
Im Bereich “Mythos” ging es dann im wesentlichen darum, was an Mythen über Babylon – oder auch Babel – in den verschiedensten Kulturen und auch in der Kunst und Literatur überliefert wurde und was an Wahrheit dahintersteckt. So bringen viele gerade gläubige Menschen Babylon mit den Berichten aus der Bibel über eine Stadt der Sünde in Verbindung – aber was steckte dahinter und war es wirklich so? Der Turmbau zu Babel war ebenfalls ein Thema, seine Ursprünge und wie er in den verschiedensten Kunstepochen dargestellt wurde. Auch die Babylonische Gefangenschaft der Juden, die keine Gefangenschaft, sondern ein durchaus lebenswertes Exil war, kam zur Sprache. Manche Völker haben sich offensichtlich schon vor Jahrtausenden in einer nicht existenten Opferrolle dargestellt…
Die gesamte Ausstellung anzusehen hat etwa zwei Stunden gedauert, wobei der Teil “Mythos” mit 30 Minuten schnell erledigt war. Grund hierfür waren u.a. diverse künstlerische Installationen und Projektionen von Video und Audio, die man am schnellsten mit “Augen zu und durch” hinter sich gebracht hat. Gerade der Bereich “Wahrheit” hat mir jedoch durch seine Fülle an Informationen und archäologischen Fundstücken – speziell die Unmenge an Keilschrifttafeln – besonders gut gefallen.
Das witzigste Ausstellungsstück war eine Zeitkapsel aus der Zukunft, in der unter anderem der Babelfisch – zwecks Vergrößerung durch ein Lupe – betrachtet werden konnte.
Auch der folgende Keilschrifttext befand sich darin:
this is the making of towers
this is the making of civilization
this is the making of the impossible
this is the making of glory
this is the making of failure
this is the making of confusion
this is the making of translation
this is the making of difference